Neues Jahr, neues Glück

Montag, 2. Januar 2017


©Red Bull GmbH and GEPA pictures GmbH

2016 war ein gutes Jahr für RB Leipzig Fans. Der Aufstieg in die 1. Bundesliga sicherlich das Highlight, aber gerade die Halbserie, war, auch wenn das Frankfurt Spiel noch aussteht, im Mindesten interessant. Zeit demnach, ein paar Themen zu kommentieren.

Die 1. Bundesliga

Ich schrieb in meiner Saisonvorschau, dass dieses Jahr auch ein Test für die Stärke der Liga wird. Folgt man dieser Betrachtungsweise, hat in der Hinrunde nur Bayern München den Test mit Bestnote bestanden. Man muss sich bei der Erfolgsgeschichte in dieser Saison immer wieder von den fast schon hyperventilierenden Medienhype lösen, der zumindest bis zum Bayern Spiel herrschte. In diesen könnte man denken RB Leipzig würde schon endlose Jahre Bundesliga spielen, der Kader wäre vollgepackt mit Stars und es wäre der Gipfel des Machbaren. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. 

Unter den Transfers vor Beginn der Saison befinden sich gerade mit Keita und Werner sicherlich Spieler, die für Furore sorgten, doch die Kaderzusammenstellung hat eher etwas von einem langsamen Herantasten an die neuen Aufgaben. Der Verein beginnt in allen Bereichen erst seinen Weg und ist sicher weit entfernt von dem, was man sportlich auf die Beine stellen könnte.

Umso erstaunlicher, dass wir so durch die Liga fegten. Zumindest dann erstaunlich, wenn man nicht wie ich ein Verfechter der These ist, das die Liga sich gern stärker gibt, als Sie eigentlich ist. In der Breite ist das Leistungsspektrum riesig und die Dominanz der Bayern in den letzten Jahren ist eben auch darin geschuldet, dass die nicht wenige Vereine der Liga eher durch Chaos oder zumindest Stagnation glänzten als durch irgendeine Weiterentwicklung.

Das Bayern Spiel 

Jeden Hype holt irgendwann die Realität ein und zumindest hinsichtlich der öffentlichen Wahrnehmung passierte dieser Crash beim Spiel in der Allianz Arena. Dieses Herbeischreien des Leipziger Meistertitels endete und in den Schlagzeilen dominierte sofort wieder die Stärke von Bayern München.

Abseits davon war das Spiel weniger dramatisch. Man versuchte danach ja krampfhaft, den Münchenern irgendeine besondere Anti RB Leipzig Taktik einzureden, doch diese existierte nicht. Ancelotti machte schlicht etwas, was wir selbst in früheren Ligen bei Top Spielen auch gern einmal taten. Einfach das Gottvertrauen auf die individuelle Qualität in Schlüsselpositionen. Es waren keine ausgefeilten Spielzüge, kein kompliziertes rotieren des Balles. Man gewann die wichtigen Zweikämpfe und brauchte damit all dies nicht.

Ist die Meisterschaft damit entschieden? Sicherlich nicht. Die Meisterschaft wird sich eher darin entscheiden, wessen Performance in den restlichen Spielen besser ist. Aber auch wenn ein Erfolg nie zu früh kommen kann, es gibt in dieser Saison sicherlich wichtigere Ziele. Doch dazu später.

Zum Spiel ist wenig zu sagen. Nachdem die Duelle an den Schlüsselstellen verloren gingen und sehr einfache Spielzüge damit sehr gefährlich wurden, sank das Vertrauen der jungen Spieler in den Keller. So weit, das man sich selbst in aussichtsreichen Situationen kaum mehr traute den Ball nach vorn zu spielen. Vielleicht ist das die entscheidende Frage nach diesem Spiel. Ob man für Spiele, in denen einmal nichts so funktioniert wie es müsste, nicht eine Achse aus Spielern braucht, die den Rest auffängt und nach vorn peitscht. Wobei wir dann wieder beim Thema "Erfahrung" wären. Denn ohne diese wird es schwer, sich in solchen Situationen nicht anstecken zu lassen.

Das Stadion

Eine der wichtigsten Entscheidungen in der Vereinsgeschichte fiel dann noch kurz für Jahreswechsel. Die Gerüchteküche brodelte schon ein paar Wochen, das man versuchte eine Lösung für den Verbleib im Stadion zu finden und so kam es dann auch.

Sofern die Bauanfragen klappen, die Stadt dem Verkauf zustimmt und sämtliche Formalitäten durchgehen, ist der Traum sehr vieler RB Fans damit erfüllt.

Viel wurde über dieses Thema diskutiert und leider liefen die Diskussionen zuletzt in eine Richtung, das ein Verbleib von einer rein emotionalen Welle getragen wäre, doch dies ist falsch. Ja, an dem Stadion hängen Erinnerungen und ja, natürlich ist das alte Zentralstadion, in das die Red Bull Arena gebettet ist, auch ein geschichtsträchtiger Ort, an dem wiederum sicher einige Fans noch weitere Erinnerungen knüpfen können.

Für mich persönlich wäre ein Stadion im Norden der Stadt sicherlich logistisch ein Horror gewesen. Ich bin auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und wer einmal versucht hat damit von Süden aus gen Messe oder noch schlimmer nach Schkeuditz zu fahren, wo auch Flächen gehandelt wurden, weiß das dies eine ziemliche Weltreise ist. Aber auch das wäre für mich nicht das Entscheidende gewesen, zählt dann halt als persönliches Pech.

Viel entscheidender ist die Tatsache, das wir momentan unmöglich auch nur ein halbwegs passendes Stadion bauen könnten. Es sagt sich immer leicht "da haben wir mehr Logen", aber die Anforderungen an ein Stadion sind weitaus höher. Man muss einfach bedenken, das ein jetziger Neubau sicherlich eine reine Minimallösung gewesen wäre. Erst einmal deswegen, weil es momentan nur über Red Bull zu finanzieren wäre, aber auch deswegen, weil überhaupt keine Erfahrungswerte existieren, die mehr zulassen. Wir spielen zum ersten Mal im Oberhaus des deutschen Fußballs, haben noch keinen Fuß in den internationalen Wettbewerb gesetzt. Egal wie gut ein Manager ist, alles Geplante wäre irgendwas zwischen Wunschtraum und Worst-Case-Vorstellung. Wir wissen nicht, wie sich die Fanbase entwickelt, wir wissen auch nicht, wie schnell sich sportlich wirklich an die Idealziele knüpfen lässt und wir wissen erst recht nicht, welche Anforderungen sich an das Stadionumfeld ergeben.

Erschwerend hinzu kommt sicher auch die Infrastruktur. Es lässt sich leicht sagen, das da dann eben die Stadt etwas hochzieht. Doch man bedenke einmal, wie wenig sich selbst um das Innenstadtstadion getan hat und das, obwohl dieser Standort für die Stadt quasi ideal ist und jede Änderung der Infrastruktur ja nicht nur dem Stadion zugute kommt. Wer glaubt da wirklich dran, das da große Bauprojekte außerhalb des Stadtkerns angestoßen werden, obwohl dies für die Stadt im Grunde herausgeschmissenes Geld wäre, das je nach Standort wenig bis gar keinen Nutzen für den Rest hat? Und bevor mir jemand mit der neuen Messe kommt, das Chaos bei stärker besuchten Messen dürfte allseits bekannt sein und da wollen keine rund 60000 Besucher auf einen Schlag nach Hause. Sehr eingeschränkter öffentlicher Nahverkehr und ein Mini Bahnhof, den ich mir nicht wirklich vorstellen möchte, wenn da auf einen Schlag eine große Menge auftaucht. Und die Autobahn? Man hätte wahrscheinlich schon nach wenigen Minuten einen Rückstau, der den Verkehr dort völlig zum Erliegen bringt.

Zum Glück müssen wir uns mit all dem nicht herumschlagen und können gespannt auf die ersten Ausbaupläne warten. Interessant wird nebenbei sicherlich auch, ob es zu den für die Kapazitätserhöhung und den Logenausbau nötigen Veränderungen auch optisch "Updates" gibt.

Die Restsaison und die Zukunft

Die Winterpause ist eingeläutet und diese ist ziemlich kurz. Trotzdem werden viele Fans inkl. mir wohl hoffen, das man von der Devise niemanden zu verpflichten doch noch abweicht. Sicherlich ist es finanziell eine gute Sache, auch für den Fall, dass man sich nächstes Jahr mit dem Financial Fair Play nächstes Jahr rumärgern müsste. Und sicherlich hat man im Sommer mehr Möglichkeiten für Transfers als jetzt.

Trotzdem ist das Risiko für die restliche Saison nicht gering. Man sieht an den Problemen in der Innenverteidigung, wie schnell man in Not kommen kann und dieser Mannschaftsteil ist sogar noch einer, der in der Breite durchaus einige Möglichkeiten hat. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie es aussähe, wenn weiter vorn einer oder gar mehrere Schlüsselspieler ausfallen. Zumindest für die Breite wären Verstärkungen sicherlich nicht verkehrt und wenn es wie gewohnt Top Talente sind, wären die Ausgaben dafür wohl auch gut angelegt.

Um noch einmal auf die Ziele zurückzukommen. So lang wir noch nicht allzu viele Punkte hinter der Spitze liegen, wird das Schielen auf Platz 1 natürlich immer die Diskussionen beherrschen. Doch weitaus wichtiger ist der Einzug in die internationalen Wettbewerbe und das möglichst hoch. Ohne die Bundesliga schlecht reden zu wollen, aber erst dort wartet die große Bühne. Finanziell ist der internationale Fußball natürlich ein großer Sprung, wichtig aber auch hinsichtlich der Möglichkeiten bei Transfers und ein Imagefaktor, der wieder neue Türen für den Verein öffnet. 

Es ist entscheidend, das man weiterhin in Schritten denkt. Viele Fußballvereine hatten einmal ein gutes Jahr national und sind dann abgeschmiert. Einige davon haben sich nie wieder erholt. Wir stoßen nun in Regionen vor, wo es anders als die Gegner des Vereins vielleicht suggerieren wollen, nicht mehr so entscheidend ist, dass wir einen großen Hauptsponsor haben. Geld haben gerade international viele, die große Frage ist, was man daraus macht. Mal abgesehen davon, dass teils mit fast unvorstellbaren Summen um sich geworfen wird, die Red Bull sicher nicht allein geben würde (FFP Probleme außen vor). Die nächsten Aufgaben können nur sein, den internationalen Fußball zu erreichen und sich dort festzubeißen. Vielleicht auch schon dort ein paar Achtungserfolge zu erringen. Erst aus diesen Vorgehen bietet sich dann wiederum die Möglichkeit strukturell und finanziell aufzurüsten.

Blicken wir auf Anfang 2016 in Bezug auf RB Leipzig zurück, so kommt es einem fast vor wie eine andere Welt. Vielleicht ist es ja 2017 wieder ähnlich. Denn seien wir ehrlich, wir stehen trotz 1. Bundesliga erst am Anfang unserer Geschichte.



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