Von Kartenhäusern und Nachwuchsfragen

Sonntag, 5. Februar 2017

©  Red Bull GmbH and GEPA pictures GmbH

Leipzig hat in Dortmund verloren. Aber die Niederlage ist momentan kaum ein Thema. Sicherlich ärgerlich, da das Ausgleichstor am Ende nur knapp als Abseits definiert wurde, jedoch durchaus verständlich bei so vielen Ausfällen.

Dagegen beschäftigen eher die Ereignisse neben dem Platz die Diskussionen. Dazu führte das Beinahe-Tor von Palacios zu einigen Fragen.

Von jenen die sich aufmachten, Kartenhäuser zu bauen

"Warum?", scheint die ausschlaggebende Frage bei der ganzen Berichterstattung um die Ausschreitungen beim Spiel in Dortmund zu sein. Wer mindestens einmal zugehört hat, wie sich Fans unterhalten, die bei Fußballspielen regelmäßig nach körperlicher Auseinandersetzung gieren, dürfte sich diese Frage jedoch kaum stellen. Diejenigen sind so tief in Ihrer eigenen Welt vergraben, dass keine Logik der Realität wirklich greift. Wo Konsequenzen ein unwichtiger Gedanke weit am Horizont sind und Zusammenhänge nur noch störendes Beiwerk, dort herrscht nur noch ein fast schon kindlicher Gedanke an einen Kampf von Gut und Böse.

Dabei hat man sich die Jahre über ein Gedankenbild um eben jenes Böse erbaut, das keiner Überprüfung standhält. Schon in den kleineren Ligen war klar ersichtlich, das vieles an Argumenten, das man RB Leipzig entgegen warf, nichts weiter war als ein Kartenhaus, das spätestens dann in sich zusammenfallen würde, wenn die Mehrheit einen Blick auf den Verein werfen konnte. "Die will doch niemand sehen", passt eben schlecht zu hohen Einschaltquoten. "Die haben doch keine Fans", versagte schon an den Rekordzuschauerzahlen in den letzten Jahren und auch das schnell dazugebastelte Argument, das dort nur Auswärtsfahrer zählen, hält Tausenden Auswärtsfahrern in Leipzig nun einmal nicht stand. Blieb noch das Schimpfen darauf, dass Vereine mit Investoren ja keine Stimmung im Stadion hätten. Doch wer einmal die Stimmung erlebt hat, einmal den Support der Leipziger ob zu Hause oder auswärts sah oder hörte, den ist schwerlich zu vermitteln wo da nun ein Problem sein soll.

Wenn man nun den Banneroverkill der Dortmunder sieht und erkennt, dass dort überhaupt nichts mehr enthalten ist, was irgendeinen Unterschied oder einem Argument gleichkommt, sondern nur noch eine generelle Abneigung nach außen schreit, der sieht, wie weit das Kartenhaus um den angeblichen "Klassenfeind" schon in sich zusammengefallen ist.

Doch wie gesagt, dort wo nur noch Gut gegen Böse zählt, bedarf es keiner Argumentation. Wo man wirklich glaubt, man bräuchte nur den Gegner zu besiegen und die Welt würde besser, dort greift man dann halt zur plumpen Gewalt.

Natürlich ohne sich bewusst zu sein, dass man damit eher die Gegenseite stärkt. Denn natürlich stärken solche Ereignisse den Zusammenhalt der Fanbase und natürlich treiben Sie Leipzig neue Fans zu. Denn gerade bei noch Unentschlossenen erzeugen sie einen "Jetzt erst recht!" Effekt und bei vielen natürlich Sympathiepunkte. Noch kurioser ist allerdings, das die ganze Abneigung, die dem Verein seit Anbeginn entgegenschlägt, sogar unserem Image einen Gegenpol liefert. Neue Dinge haben immer einen sehr glatt polierten Charakter. Und so startet auch ein Fußballverein anfangs, gerade wenn er sich modern aufstellt, natürlich mit einem schwer nahbaren Charakter, der erst mit der Zeit geformt werden kann. Doch gerade durch den Gegenwind wurde daraus schnell etwas Emotionales. Dazu kommt, das jenes, was für den einen böse ist, für den anderen eine Art Bad Boy Image wird. Passend dazu las ich mal auf einer Diskussionsplattform, auf der sich eben jenes Klientel aller möglichen Vereine trifft, das RB Leipzig am stärksten ablehnt vor einiger Zeit einmal einen Kommentar. Der Autor, scheinbar fast schon verzweifelt darüber, das sich selbst in seinem Umfeld Sympathisanten für RB Leipzig herausbildeten, befand: "Man macht die Leipziger ja mittlerweile schon zu einer Art verbotenen Frucht. Und die schmecken bekanntlich umso besser".

Der Nachwuchs, das ewige Thema

Der Einsatz von Palacios beim Spiel in Dortmund, kam sicherlich selbst für ihn überraschend. Dann auch noch beinahe das entscheidende Tor zu machen, ist schon eine der seltsamen Geschichten, die der Fußball so schreibt. Was wäre es für eine Story gewesen, wenn das Tor gezählt hätte? Das große Dortmund, abgeschossen von einem Nachwuchsspieler, der sonst in der 4. Liga kickt.

Wie wir wissen, kam es leider nicht dazu. Um Zentimeter befand er sich im Abseits und somit bleibt es bei einem der seltenen Einsätze von Jugendspielern im Kader der 1. Mannschaft. Und ja, Palacios ist natürlich kein komplett unbeschriebenes Blatt, hatte in der Saison 2014/15 schon 2 Kurzeinsätze in Liga zwei. Und doch scheint dieses Beinahe-Tor unserer aktuellen Kaderpolitik den Spiegel vorzuhalten. Oft diskutiert man unter den Fans ja darüber, ob denn Jugendspieler bei solch einem großen Sprung, entweder aus der Junioren Bundesliga oder der Regionalliga im Männerbereich überhaupt direkt eine Verstärkung wären. Ob diese nicht erst lang bräuchten, um sich im neuen Wirkungsbereich zurecht zu finden.

Wenn der Kurzeinsatz von Palacios am Wochenende eines gezeigt hat, dann das dies auch direkt funktionieren kann. Vielleicht nicht in der Stammelf, aber doch in einer Jokerrolle von der Bank. Nun hat man in früheren Jahren noch andere Möglichkeiten gehabt. Gestandene Spieler mit Formproblemen oder nach Verletzungen wurden erst einmal in die U23 geschickt, woraus man Freiräume, zumindest auf der Bank hätte schaffen können. Doch wir spielen nun in einen Bereich, wo dies nicht mehr so einfach möglich ist. Man kann keinen Spieler, den man für Millionen einkauft und dessen Hauptwechselgrund wohl jener ist, sich schnellstens in die Startelf zu spielen, in die 4. deutsche Liga zurückversetzen. Zumindest nicht, ohne ihm einen perspektivischen Tiefschlag zu verpassen, von dem er sich, zumindest hier in Leipzig, vielleicht nie wieder erholt. Andere Vereine setzen Spieler schon einmal gern auf die Tribüne, doch gerade wenn es um Talente geht, wird auch dieses Abstellgleis nicht gerade dazu beitragen, den Spieler stärker an den Verein zu binden oder zur Motivation beizutragen.

Nein, man muss irgendeine Möglichkeit finden, Jugendspieler einzusetzen, ohne den großen Verdrängungswettbewerb im Kader aufzumachen. Eine Lösung wäre vielleicht, in der Kaderplanung einen Bankplatz gedanklich für einen (oder zwei?), durchaus wechselnde, Jugendspieler vorzuhalten. Einen Platz, um den die Jugendspieler nur gegeneinander fighten und dort nicht den nächsten Top Transfer verdrängen, der es gerade nicht in die Stammelf schafft. Eine weitere Idee ergäbe sich vielleicht bei einem größeren Kader, wo man eine höhere Fluktuation auf einigen Bankplätzen schaffen könnte, in die man ein paar Jugendspieler mit einfließen lässt. Ist der Kader groß genug und finden sich immer mehrere Spieler wechselnd auf der Tribüne wieder, könnte man vielleicht die Demotivation derer in Grenzen halten.

Persönlich würde ich mir wünschen, dass man Palacios in den nächsten Spielen mit noch einem weiteren Jokereinsatz belohnt, doch bei der Kaderdichte wird dies wohl eher schwierig sein.

50+1, die Geißel der Bundesliga?

Sonntag, 29. Januar 2017

Seit RB Leipzig in die 1. Bundesliga aufgestiegen ist, debattiert man um die 50+1 Regel heißer als jemals zuvor. "Schafft endlich die 50+1 Regel ab", titelte die Bild Zeitung zuletzt für einen Kommentar zu diesem Thema, auch im Doppelpass auf Sport1 finden immer mehr Experten 50+1 vereinfacht gesagt: "doof".

Die polierte Kristallkugel

In einem scheinen sich dabei alle einig, ohne 50+1 geht es der ganzen Liga auf einen Schlag besser. Schließlich halten nur die bösen Fans die ganzen Investoren davon ab, die Bundesliga zu stürmen. Nicht das es darauf irgendeinen Hinweis gäbe. Nicht das es nicht viele Vereine gäbe, die es nicht einmal schaffen 10% an Anteilen zu verkaufen.

"Das liegt nur an den nicht gesicherten Investitionen", würden wohl die Verfechter der Abschaffung antworten. Wie viele Investoren oder Großsponsoren wurden eigentlich schon von Mitgliederversammlungen aus Ihren Positionen verjagt, das bei diesen weltweit die Angst umgeht? Mal ganz davon abgesehen, das es selbst für einen Verein mit mind. 51% der Stimmrechte rechtlich nicht ganz so einfach ist, langfristige Verträge zu brechen, falls diese keinen generellen Ausstieg zu jeder Zeit regeln.

Darüber hinaus muss man sich auch durchaus die Frage stellen, wie interessant die Bundesliga überhaupt für Investoren ist. Sportinvestments sind kein Selbstläufer. Einen reinen Werbeeffekt bekommt man auch als Sponsor, dafür muss man sich nicht den Aufwand ans Bein binden. Es spricht vor allem Menschen oder Unternehmen an, die entweder einen Bezug zum jeweiligen Verein haben oder meinen die Struktur besser handhaben zu können, vielleicht sogar zu müssen, als die jeweiligen Entscheider. All dies lohnt sich kaum für kurzfristige Ziele. Erst wer einen langfristigen Plan hat, für den summieren sich überhaupt die Risiken der Investition.

Nun hat die Bundesliga jedoch schon eine 20 Jahre Ausnahme, nachdem man Mehrheiten übernehmen kann, scheinbar gibt es extrem wenige Investoren, die sich für eine solche Laufzeit interessieren.

Nein, man kann die Kristallkugel noch so lang polieren, es würde keine solch strahlende Zukunft daraus, wie man gern möchte. Man mag noch so gern neidisch auf die Gelder in der Premier League schauen, aber die Strahlkraft dieser erreicht die Bundesliga eben gerade international nicht, trotz der Tatsache, dass der sportliche Erfolg der Vereine von der Insel in der Breite nicht wirklich in einem Verhältnis zu den eingesetzten Geldern zu stehen scheint.

Fans, der Klotz am Bein

Kommen wir einmal zu dem eigentlichen Sinn der 50+1 Regel. Nicht dem Sinn auf dem Papier, die notwendigen Auslagerungen der Profiabteilungen an die e.V zu binden, sondern das, was man gemeinhin damit verbindet, Mitbestimmung.

Nun ist des Vereinskonzept in Deutschland sicherlich sehr ungünstig für Profivereine. Die ganze Eigenheit der Selbstverwaltung ist primär dafür vorgesehen das sich eine begrenzte Gruppe von Menschen mit irgendeinem gleichen Interesse organisiert und für Entscheidungen trifft. Als das Ganze rechtlich definiert wurde, hat sicherlich niemand damit gerechnet, dass jemand 200.000 Mitglieder rund um den Globus hat, um sich dann mit 1% zu treffen und über Mehrheitsbeteiligungen, auf Entscheidungen eines Unternehmens mit Millionen Umsetzen einwirkt.

Trotzdem ist die Möglichkeit momentan eine Alternativlose. Fällt 50+1 existiert in den ausgelagerten Unternehmen keinerlei Ersatz für diesen Einfluss. Schön für die Unternehmen, mindestens ungünstig für die Fans. Man könnte nun einwenden, das es bei RB Leipzig, durchaus auch ohne dieses funktioniert. Probleme werden in der Kommunikation geklärt, da beide Seiten an einer Lösung interessiert sind. Doch trifft das nun auf alle Vereine zu? Hat wirklich jeder der Vereinsverantwortlichen oder der späteren Investoren dann ein Interesse an Kompromissen? So einfach lässt sich das nicht sagen. Denn natürlich hängt es auch daran, wie ähnlich oder gegensätzlich die Interessen der beiden Seiten sind.

Gäbe es denn überhaupt eine Alternative? Zumindest gelten für die ausgelagerten Fußballunternehmen keine rechtlichen Sonderbedingungen. Sie agieren in einem Markt, an dem der Staat durchaus ein gesondertes Interesse hat. Bei dem Bundesländer oder Städte schon auch gern mal rechnerische Kunststücke vollziehen, um einen ins Schwanken geratenen Fußballverein über Wasser zu halten. Man bezeichnet die Wirtschaft nun gern als frei, aber natürlich stellt der Staat durchaus an einige Branchen ziemlich hohe Anforderungen. Möglich wären solche "Regeln" sicher auch für den Fußball. Das Problem, weder Vereine noch Verbände werden darauf drängen Ihre so schön "funktionierende" Selbstverwaltung von außen reglementieren zu lassen.

Warum nicht schon jetzt

Vielleicht sagt der ein oder andere jetzt immer noch "Nein, ohne 50+1 wird alles besser".

Dann hätte ich für den Schluss noch etwas, über das jeder einmal kurz nachdenken sollte. Das Vereinskonzept von RB Leipzig reicht Red Bull und dürfte demnach auch für andere Investoren nicht abschreckend wirken. Jeder Verein könnte in seiner Mitgliederversammlung Änderungen beschließen, die das eigene Vereinskonzept ähnlich beschränken, wie dies hier der Fall ist.

"Es wird sich doch niemand selbst die Rechte nehmen", denkt jetzt vielleicht der ein oder andere. Dummerweise entfallen die 51% Stimmrechte nicht automatisch durch den Wegfall der 50+1 Regel. Weniger als 51% Stimmrechte sind für die Mitglieder nahezu irrelevant. Selbst eine Gruppe aus mehreren Investoren würden sich kaum auf die Entscheidung der Vereinsmitglieder verlassen. Leider müsste der Verein, in dem Fall wieder die Mitgliederversammlung in diesem Fall ebenfalls darüber befinden, ihre Stimmrechte an einem Investor zu übertragen, denn ansonsten fällt man nun einmal nicht unter 51%.

Denkt einmal drüber nach.

Neues Jahr, neues Glück

Montag, 2. Januar 2017


©Red Bull GmbH and GEPA pictures GmbH

2016 war ein gutes Jahr für RB Leipzig Fans. Der Aufstieg in die 1. Bundesliga sicherlich das Highlight, aber gerade die Halbserie, war, auch wenn das Frankfurt Spiel noch aussteht, im Mindesten interessant. Zeit demnach, ein paar Themen zu kommentieren.

Die 1. Bundesliga

Ich schrieb in meiner Saisonvorschau, dass dieses Jahr auch ein Test für die Stärke der Liga wird. Folgt man dieser Betrachtungsweise, hat in der Hinrunde nur Bayern München den Test mit Bestnote bestanden. Man muss sich bei der Erfolgsgeschichte in dieser Saison immer wieder von den fast schon hyperventilierenden Medienhype lösen, der zumindest bis zum Bayern Spiel herrschte. In diesen könnte man denken RB Leipzig würde schon endlose Jahre Bundesliga spielen, der Kader wäre vollgepackt mit Stars und es wäre der Gipfel des Machbaren. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. 

Unter den Transfers vor Beginn der Saison befinden sich gerade mit Keita und Werner sicherlich Spieler, die für Furore sorgten, doch die Kaderzusammenstellung hat eher etwas von einem langsamen Herantasten an die neuen Aufgaben. Der Verein beginnt in allen Bereichen erst seinen Weg und ist sicher weit entfernt von dem, was man sportlich auf die Beine stellen könnte.

Umso erstaunlicher, dass wir so durch die Liga fegten. Zumindest dann erstaunlich, wenn man nicht wie ich ein Verfechter der These ist, das die Liga sich gern stärker gibt, als Sie eigentlich ist. In der Breite ist das Leistungsspektrum riesig und die Dominanz der Bayern in den letzten Jahren ist eben auch darin geschuldet, dass die nicht wenige Vereine der Liga eher durch Chaos oder zumindest Stagnation glänzten als durch irgendeine Weiterentwicklung.

Das Bayern Spiel 

Jeden Hype holt irgendwann die Realität ein und zumindest hinsichtlich der öffentlichen Wahrnehmung passierte dieser Crash beim Spiel in der Allianz Arena. Dieses Herbeischreien des Leipziger Meistertitels endete und in den Schlagzeilen dominierte sofort wieder die Stärke von Bayern München.

Abseits davon war das Spiel weniger dramatisch. Man versuchte danach ja krampfhaft, den Münchenern irgendeine besondere Anti RB Leipzig Taktik einzureden, doch diese existierte nicht. Ancelotti machte schlicht etwas, was wir selbst in früheren Ligen bei Top Spielen auch gern einmal taten. Einfach das Gottvertrauen auf die individuelle Qualität in Schlüsselpositionen. Es waren keine ausgefeilten Spielzüge, kein kompliziertes rotieren des Balles. Man gewann die wichtigen Zweikämpfe und brauchte damit all dies nicht.

Ist die Meisterschaft damit entschieden? Sicherlich nicht. Die Meisterschaft wird sich eher darin entscheiden, wessen Performance in den restlichen Spielen besser ist. Aber auch wenn ein Erfolg nie zu früh kommen kann, es gibt in dieser Saison sicherlich wichtigere Ziele. Doch dazu später.

Zum Spiel ist wenig zu sagen. Nachdem die Duelle an den Schlüsselstellen verloren gingen und sehr einfache Spielzüge damit sehr gefährlich wurden, sank das Vertrauen der jungen Spieler in den Keller. So weit, das man sich selbst in aussichtsreichen Situationen kaum mehr traute den Ball nach vorn zu spielen. Vielleicht ist das die entscheidende Frage nach diesem Spiel. Ob man für Spiele, in denen einmal nichts so funktioniert wie es müsste, nicht eine Achse aus Spielern braucht, die den Rest auffängt und nach vorn peitscht. Wobei wir dann wieder beim Thema "Erfahrung" wären. Denn ohne diese wird es schwer, sich in solchen Situationen nicht anstecken zu lassen.

Das Stadion

Eine der wichtigsten Entscheidungen in der Vereinsgeschichte fiel dann noch kurz für Jahreswechsel. Die Gerüchteküche brodelte schon ein paar Wochen, das man versuchte eine Lösung für den Verbleib im Stadion zu finden und so kam es dann auch.

Sofern die Bauanfragen klappen, die Stadt dem Verkauf zustimmt und sämtliche Formalitäten durchgehen, ist der Traum sehr vieler RB Fans damit erfüllt.

Viel wurde über dieses Thema diskutiert und leider liefen die Diskussionen zuletzt in eine Richtung, das ein Verbleib von einer rein emotionalen Welle getragen wäre, doch dies ist falsch. Ja, an dem Stadion hängen Erinnerungen und ja, natürlich ist das alte Zentralstadion, in das die Red Bull Arena gebettet ist, auch ein geschichtsträchtiger Ort, an dem wiederum sicher einige Fans noch weitere Erinnerungen knüpfen können.

Für mich persönlich wäre ein Stadion im Norden der Stadt sicherlich logistisch ein Horror gewesen. Ich bin auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und wer einmal versucht hat damit von Süden aus gen Messe oder noch schlimmer nach Schkeuditz zu fahren, wo auch Flächen gehandelt wurden, weiß das dies eine ziemliche Weltreise ist. Aber auch das wäre für mich nicht das Entscheidende gewesen, zählt dann halt als persönliches Pech.

Viel entscheidender ist die Tatsache, das wir momentan unmöglich auch nur ein halbwegs passendes Stadion bauen könnten. Es sagt sich immer leicht "da haben wir mehr Logen", aber die Anforderungen an ein Stadion sind weitaus höher. Man muss einfach bedenken, das ein jetziger Neubau sicherlich eine reine Minimallösung gewesen wäre. Erst einmal deswegen, weil es momentan nur über Red Bull zu finanzieren wäre, aber auch deswegen, weil überhaupt keine Erfahrungswerte existieren, die mehr zulassen. Wir spielen zum ersten Mal im Oberhaus des deutschen Fußballs, haben noch keinen Fuß in den internationalen Wettbewerb gesetzt. Egal wie gut ein Manager ist, alles Geplante wäre irgendwas zwischen Wunschtraum und Worst-Case-Vorstellung. Wir wissen nicht, wie sich die Fanbase entwickelt, wir wissen auch nicht, wie schnell sich sportlich wirklich an die Idealziele knüpfen lässt und wir wissen erst recht nicht, welche Anforderungen sich an das Stadionumfeld ergeben.

Erschwerend hinzu kommt sicher auch die Infrastruktur. Es lässt sich leicht sagen, das da dann eben die Stadt etwas hochzieht. Doch man bedenke einmal, wie wenig sich selbst um das Innenstadtstadion getan hat und das, obwohl dieser Standort für die Stadt quasi ideal ist und jede Änderung der Infrastruktur ja nicht nur dem Stadion zugute kommt. Wer glaubt da wirklich dran, das da große Bauprojekte außerhalb des Stadtkerns angestoßen werden, obwohl dies für die Stadt im Grunde herausgeschmissenes Geld wäre, das je nach Standort wenig bis gar keinen Nutzen für den Rest hat? Und bevor mir jemand mit der neuen Messe kommt, das Chaos bei stärker besuchten Messen dürfte allseits bekannt sein und da wollen keine rund 60000 Besucher auf einen Schlag nach Hause. Sehr eingeschränkter öffentlicher Nahverkehr und ein Mini Bahnhof, den ich mir nicht wirklich vorstellen möchte, wenn da auf einen Schlag eine große Menge auftaucht. Und die Autobahn? Man hätte wahrscheinlich schon nach wenigen Minuten einen Rückstau, der den Verkehr dort völlig zum Erliegen bringt.

Zum Glück müssen wir uns mit all dem nicht herumschlagen und können gespannt auf die ersten Ausbaupläne warten. Interessant wird nebenbei sicherlich auch, ob es zu den für die Kapazitätserhöhung und den Logenausbau nötigen Veränderungen auch optisch "Updates" gibt.

Die Restsaison und die Zukunft

Die Winterpause ist eingeläutet und diese ist ziemlich kurz. Trotzdem werden viele Fans inkl. mir wohl hoffen, das man von der Devise niemanden zu verpflichten doch noch abweicht. Sicherlich ist es finanziell eine gute Sache, auch für den Fall, dass man sich nächstes Jahr mit dem Financial Fair Play nächstes Jahr rumärgern müsste. Und sicherlich hat man im Sommer mehr Möglichkeiten für Transfers als jetzt.

Trotzdem ist das Risiko für die restliche Saison nicht gering. Man sieht an den Problemen in der Innenverteidigung, wie schnell man in Not kommen kann und dieser Mannschaftsteil ist sogar noch einer, der in der Breite durchaus einige Möglichkeiten hat. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie es aussähe, wenn weiter vorn einer oder gar mehrere Schlüsselspieler ausfallen. Zumindest für die Breite wären Verstärkungen sicherlich nicht verkehrt und wenn es wie gewohnt Top Talente sind, wären die Ausgaben dafür wohl auch gut angelegt.

Um noch einmal auf die Ziele zurückzukommen. So lang wir noch nicht allzu viele Punkte hinter der Spitze liegen, wird das Schielen auf Platz 1 natürlich immer die Diskussionen beherrschen. Doch weitaus wichtiger ist der Einzug in die internationalen Wettbewerbe und das möglichst hoch. Ohne die Bundesliga schlecht reden zu wollen, aber erst dort wartet die große Bühne. Finanziell ist der internationale Fußball natürlich ein großer Sprung, wichtig aber auch hinsichtlich der Möglichkeiten bei Transfers und ein Imagefaktor, der wieder neue Türen für den Verein öffnet. 

Es ist entscheidend, das man weiterhin in Schritten denkt. Viele Fußballvereine hatten einmal ein gutes Jahr national und sind dann abgeschmiert. Einige davon haben sich nie wieder erholt. Wir stoßen nun in Regionen vor, wo es anders als die Gegner des Vereins vielleicht suggerieren wollen, nicht mehr so entscheidend ist, dass wir einen großen Hauptsponsor haben. Geld haben gerade international viele, die große Frage ist, was man daraus macht. Mal abgesehen davon, dass teils mit fast unvorstellbaren Summen um sich geworfen wird, die Red Bull sicher nicht allein geben würde (FFP Probleme außen vor). Die nächsten Aufgaben können nur sein, den internationalen Fußball zu erreichen und sich dort festzubeißen. Vielleicht auch schon dort ein paar Achtungserfolge zu erringen. Erst aus diesen Vorgehen bietet sich dann wiederum die Möglichkeit strukturell und finanziell aufzurüsten.

Blicken wir auf Anfang 2016 in Bezug auf RB Leipzig zurück, so kommt es einem fast vor wie eine andere Welt. Vielleicht ist es ja 2017 wieder ähnlich. Denn seien wir ehrlich, wir stehen trotz 1. Bundesliga erst am Anfang unserer Geschichte.



Transfergerüchte Übersicht Winter 2016

Donnerstag, 8. Dezember 2016


Torwart
Defensive
Davide Itter
Eingetragen am:08.12.2016
Alter17
NationalitätDeutschland
PositionRechter Verteidiger
VereinWolfsburg U19
Marktwert*
Gian-Luca Itter
Eingetragen am:08.12.2016
Alter17
NationalitätDeutschland
PositionLinker Verteidiger
VereinWolfsburg U19
Marktwert*
Dan-Axel Zagadou
Eingetragen am:08.12.2016
Alter17
NationalitätFrankreich
PositionAbwehr
VereinParis SG U19
Marktwert*
Dayot Upamecano
Eingetragen am:14.12.2016
Alter18
NationalitätFrankreich
PositionInnenverteidiger
VereinRB Salzburg
Marktwert3,00 Mio*
Ryan Sessegnon
Eingetragen am:29.12.2016
Alter16
NationalitätEngland
PositionLinker Verteidiger
VereinFC Fulham
Marktwert500 Tsd*
Duje Caleta-Car
Eingetragen am:29.12.2016
Alter20
NationalitätKroatien
PositionInnenverteidiger
VereinRB Salzburg
Marktwert3,00 Mio*
Kyriakos Papadopoulos
Eingetragen am:14.12.2016
Alter24
NationalitätGriechenland
PositionInnenverteidiger
VereinHamburger SV
Marktwert6,50 Mio*
Jaroslaw Jach
Eingetragen am:03.01.2017
Alter22
NationalitätPolen
PositionInnenverteidiger
VereinZaglebie Lubin
Marktwert200 Tsd*
Mittelfeld
Seko Fofana
Eingetragen am:14.12.2016
Alter21
NationalitätFrankreich
PositionZentrales Mittelfeld
VereinUdinese Calcio
Marktwert3,50 Mio*
Rani Khedira
Eingetragen am:29.12.2016
Alter22
NationalitätDeutschland
PositionDefensives Mittelfeld
VereinRB Leipzig
Marktwert900 Tsd*
Konrad Laimer
Eingetragen am:29.12.2016
Alter19
NationalitätÖsterreich
PositionZentrales Mittelfeld
VereinRB Salzburg
Marktwert3,00 Mio*
Ronaldo Vieira
Eingetragen am:29.12.2016
Alter18
NationalitätGuinea-Bissau
PositionZentrales Mittelfeld
VereinLeeds United
Marktwert350 Tsd*
Olivier Ntcham
Eingetragen am:03.01.2017
Alter20
NationalitätFrankreich
PositionZentrales Mittelfeld
VereinFC Genua
Marktwert1,50 Mio*
Mario Lemina
Eingetragen am:03.01.2017
Alter23
NationalitätGabun
PositionZentrales Mittelfeld
VereinJuventus Turin
Marktwert8,00 Mio*
Denis Zakaria
Eingetragen am:03.01.2017
Alter20
NationalitätSchweiz
PositionZentrales Mittelfeld
VereinBSC Young Boys
Marktwert4,00 Mio*
Matty Cash
Eingetragen am:05.01.2017
Alter19
NationalitätEngland
PositionOffensives Mittelfeld
VereinNotting. Forest
Marktwert150 Tsd*
Offensive
Moussa Dembélé
Eingetragen am:08.12.2016
Alter20
NationalitätFrankreich
PositionMittelstürmer
VereinCeltic Glasgow
Marktwert3,00 Mio*
Scott Hogan
Eingetragen am:03.01.2017
Alter24
NationalitätEngland
PositionMittelstürmer
VereinFC Brentford
Marktwert500 Tsd*
Terrence Boyd
Eingetragen am:14.12.2016
Alter25
NationalitätVereinigte Staaten
PositionMittelstürmer
VereinSV Darmstadt 98
Marktwert600 Tsd*
Davie Selke
Eingetragen am:29.12.2016
Alter21
NationalitätDeutschland
PositionMittelstürmer
Verein
Marktwert4,00 Mio*
Tobias Warschewski
Eingetragen am:03.01.2017
Alter18
NationalitätDeutschland
PositionMittelstürmer
VereinPreußen Münster
Marktwert50 Tsd*
Christian Pulisic
Eingetragen am:03.01.2017
Alter18
NationalitätVereinigte Staaten
PositionRechtsaußen
VereinBor. Dortmund
Marktwert5,00 Mio*
Omer Damari
Eingetragen am:03.01.2017
Alter27
NationalitätIsrael
PositionMittelstürmer
VereinMaccabi Haifa (L)
Marktwert1,00 Mio*
Emil Forsberg
Eingetragen am:03.01.2017
Alter25
NationalitätSchweden
PositionLinksaußen
VereinRB Leipzig
Marktwert5,00 Mio*
David Henen
Eingetragen am:03.01.2017
Alter20
NationalitätBelgien
PositionLinksaußen
VereinEverton U23
Marktwert250 Tsd*
Barrie McKay
Eingetragen am:20.01.2017
Alter22
NationalitätSchottland
PositionRechtsaußen
VereinGlasgow Rangers
Marktwert175 Tsd*
Oliver Burke
Eingetragen am:23.01.2017
Alter19
NationalitätSchottland
PositionRechtsaußen
VereinRB Leipzig
Marktwert10,00 Mio*
Henry Onyekuru
Eingetragen am:27.01.2017
Alter19
NationalitätNigeria
PositionLinksaußen
VereinKAS Eupen
Marktwert4,00 Mio*

(L) als Leihe
Zugang
Zugang Gerücht
Abgang Gerücht
Abgang
Abgang U23
* Marktwerte von Transfermarkt.de

Kommentar: Erklärungsversuche

Montag, 21. November 2016


©Red Bull GmbH and GEPA pictures GmbH

RB Leipzig an der Spitze der 1. Bundesliga.

Sicherlich etwas, was selbst von den Optimisten kaum vorherzusehen war und natürlich trotzdem erst einmal nur eine Momentaufnahme. Klar freut man sich im Fanlager über die bisher starke Saison und vielleicht stichelt man auch hin und wieder gen Konkurrenz, doch kaum jemand wird jetzt anfangen ernsthaft über Titel nachzudenken.


Noch sind solche Szenarien eher Träume, auf die man zwischendurch mal mit einem kräftigen Schuss Ironie verweist.


Doch trotz der noch langen Saison ist die Formkurve der Mannschaft beachtlich und scheint, wenn man die Medienlandschaft anschaut, irgendeinen wunden Punkt zu treffen. Denn statt sich einfach mit der starken Form zu beschäftigen und damit das die Saison noch lang ist, werden schon massiv Erklärungen gesucht.


Sicherlich sind die Klassiker rund um RB Leipzig ganz vorn dabei. Gerade in den sozialen Netzwerken ist man sich sicher, dass nur das Geld für den Erfolg verantwortlich ist. Schließlich ist man ja "kein normaler Aufsteiger". Ich frage mich immer, was denn überhaupt ein "normaler" Aufsteiger ist. Sind das die ganzen Mannschaften, die nach den Aufstieg keine Möglichkeit hatten wirtschaftlich zu den schon dort spielenden aufzuschließen, weil alle Geldverteilungssysteme der Bundesliga eben jene bevorteilen, die dort schon spielen? Die man lächelnd zur Kenntnis nahm, in dem Wissen, das diese egal was Sie tun, direkt wieder absteigen? Nun, im dem Sinne wären wir wirklich kein "normaler" Aufsteiger und das ist gut so.


Davon abgesehen scheint man sich momentan aber gern auch darauf einzuschießen, das Leipzig eigentlich doch nicht selbst so gut ist, sondern der Rest einfach nur schlecht. Nehmen wir die Bayern "Krise". Die Bild titelt heute "Ancelotti muss jetzt liefern", während Sport1 schon einen Schritt weiter ist und einen Artikel mit "Darum stürzte Bayern von der Spitze" setzt. Nur einmal zur Erinnerung. Beim Dortmund Spiel wäre es ohne RB Leipzig allein darum gegangen, ob Bayern München schon nach dem 11. Spieltag mit 6 Punkten die Tabelle anführt oder mit 3. Wahrscheinlich wären sich alle Medien ohne RB Leipzig in einer solchen Situation einig gewesen, das das schlimmste Duell der Hinrunde für München ja überstanden ist und im Internet wären wohl schon wieder Diskussionen darüber explodiert, das die Dominanz der Bayern wohl wieder kaum zu stoppen sein wird.


Noch weiter geht die Meinung bei Spox, wo gleich noch Dortmund ins Boot geholt wurde, genauer gesagt die "Schwäche des FC Bayern München und Borussia Dortmund im ersten Saisondrittel". Wen stört da schon das die 27 Punkte von RB Leipzig in 4 der letzten 5 Jahre mehr waren, als Dortmund nach 11 Spieltagen auf dem Konto hatte. Im Übrigen hätte man damit auch in einem dieser Jahre die Tabelle angeführt (2011/12) und wäre in einem anderen zumindest punktgleich mit Bayern München gewesen. (2014/15)


Ich bin ehrlich gespannt, wie sich die Medienartikel in dieser Woche entwickeln. Vielen scheint momentan eines gemein. Nämlich unbedingt die Frage zu vermeiden, ob die Bayern Dominanz der letzten Jahre wirklich nur an der Stärke der Bayern lag und ob nicht auch ein anderer Verein einmal den Rekordmeister in dieser Zeit hätte ärgern müssen, egal wie kurz oder lang dieser Zustand anhält. So kommt man eben zu dem Schluss das die letzten Jahre alles top war und dieses eben nur etwas schwächelt. Schließlich ist doch die Bundesliga die stärkste Liga überhaupt. Oder war es die letzten Jahre, da ist man sich in Deutschland scheinbar vom Nordseestrand bis in die Alpen völlig sicher.


Denn es kann wohl nicht sein, was nicht sein darf.

Im Kommentar benannte Artikel:
http://www.bild.de/sport/fussball/carlo-ancelotti/muss-jetzt-liefern-48849580.bild.html
http://www.sport1.de/fussball/bundesliga/2016/11/analyse-die-gruende-fuer-das-schwaecheln-des-fc-bayern
http://www.spox.com/de/sport/fussball/bundesliga/1611/Artikel/kommentar-titelkampf-bayern-dortmund-leipzig.html

Die Banner und der Weltfrieden

Samstag, 22. Oktober 2016


Manchmal möchte man als Sportblogger gern Mäuschen spielen, wenn es um Angelegenheiten des Vereins geht. Wie kommen bestimmte Dinge zustande, was ist schon lang hinter verschlossenen Türen klar und was entsteht eher aus einer hektischen Reaktion auf Unerwartetes.

So geht es mir in der aktuellen Debatte um das Bannerverbot. Als ich zum ersten Mal davon hörte, war mir klar, das die Emotionen in der Hinsicht die Emotionen hochkochen würden. Nach der ganzen Aufregung, den Diskussionen und der sicherlich nicht angedachten Außenwirkung, schien man förmlich getrieben davon, irgendeinen Kompromiss präsentieren zu können.

Per Twitter wurde verkündet.
"Lösung da, die Banner hängen! Gemeinsam mit unserem Fanbeauftragten fanden die Fanclubs heute neue Plätze für die Fanbanner aus Block A/D."

Klingt gut, klärt die Thematik aber nicht wirklich abschließend. Doch dazu später mehr. Kritik am Verein ist in Leipzig immer etwas kompliziert, denn da treffen in Diskussionen Welten aufeinander. 

Da wären zum einen diejenigen, die eine möglichst selbstbestimmte Fanszene wollen. Dabei wird diese Meinung gern etwas vorschnell in eine Ultra Richtung geschoben, obwohl diese Ansicht wohl auch von vielen organisierten Fans vertreten wird, die nun wirklich nicht mal einen Funken mit der Ultra Subkultur in Verbindung stehen. Dabei gilt auch zu bedenken, dass wir nun einmal kein Mitglieder bestimmter Verein in der Breite sind, Stimmrechte demnach als Medium wegfallen. Nein, seit jeher basiert die Mitbestimmung in Leipzig darauf, das die Fans ihren Unmut zu Themen möglichst lautstark kund tun und über eine Öffentlichkeit ihre Verhandlungsposition einnehmen.

Diese ganze Einstellung trifft nun auf andere, die schon sehr viel brauchen, um gegen eine Vereinsentscheidung zu sein. Natürlich gibt es auch dabei Grauzonen, aber im Extremfall geht das bis hin zu Fans, bei denen ich nicht sicher wäre, ob die jemals irgendeine Form von Kritik äußern würden, selbst wenn eine für Sie fatale Entscheidung getroffen würde. Schnell kommen dabei dann auch die gewohnten Argumente wie "Ohne RB würde...", "Der Verein muss ja...." oder auch kreativ "Wir wollen ja nicht wie andere....". Ich gebe zu, ich mag solche Argumentationen nicht, da es meist Totschlagargumente sind, deren Hinterfragung auf fast schon religiöse Ansichten stößt.

Diese beiden grundsätzlichen Ansichten prallten nun in der Bannerdebatte aufeinander. Und sei dies noch nicht kompliziert genug, trug man als Nebenkriegsschauplatz auch noch den Ärger über Pro und Kontra Fanverband aus. Die einen sind drin, die anderen nicht und je nachdem zu welcher Gruppierung man gehört, kann man die anderen nicht leiden. Klingt vielleicht übertrieben, spiegelt aber doch nicht wenige Reaktionen wieder.

Dabei wurde der Fanverband in jüngster Vergangenheit ziemlich häufig kritisiert, auch von teilnehmenden Fanclubs. Nicht zuletzt deswegen, weil nicht sonderlich viele größere Entscheidungen seit Bestehen überhaupt getroffen werden konnten. Und wie sollen Sie auch? Man versucht einen Konsens zwischen organisierten Fans zu finden, die teilweise so unterschiedlich sind, dass ihre einzige Gemeinsamkeit wirklich RB Leipzig ist. Demokratie in Gremien ist eine tolle Sache, funktioniert aber seit jeher meist dann gut, wenn die Teilnehmer begrenzt sind, oder sich alle sehr ähnlich. Um mal einen, zugegeben etwas krummen, Vergleich zu nennen. Momentan ist es so, als würde man bei einer Wahl in Deutschland anstreben, das möglichst 2/3 die gleiche Partei wählen, wenn nicht gar alle. 



Doch um zum Thema zurückzukommen, man muss sich beim Bannerthema überhaupt nicht damit befassen, wer nun am lautesten schreit oder welche Aktion geplant hatte. Eine Nachricht wird nicht besser oder schlechter, weil Sie ein bestimmter Absender schickt. Die Banner für Werbeflächen einzutauschen ist für die Zukunft eben ein gewagtes Thema, Kompromiss hin oder her. Bisher hat man nicht den Eindruck, beim Verein würden wirklich so viele große Interessenten gewonnen werden. Nach den ganzen Ankündigungen über die Begrenzung des Red Bull Finanzierungsanteils träumten viele sicherlich schon von anderen Big-Playern. Doch selbst die bisher angekündigten schienen eher unterstützenden Charakter, als das wirklich die Etat-Zusammensetzung gravierend verändert wäre. Natürlich müssen auch solche Partner gewonnen werden und sicherlich ist auch dies durchaus eine Management Leistung. Aber bei den für einen Bundesliga Etat nötigen Geldsummen erscheint dies eben kein Vergleich zu den geschürten Erwartungen. Wer wirbt denn dann nun auf den Werbeflächen zukünftig eigentlich? Hoffentlich überhaupt jemand, denn bei den ganzen Diskussionen und der ganzen Unmut wäre es schon ein ziemlicher Super-GAU in der Außenwirkung, wenn da am Ende der Saison mehrheitlich leere Flächen über die TV Bildschirme flimmern.

Und wenn Sie doch vermietet werden, was bringt dann der Kompromiss? Es bestehen ja nun keine Zweifel, das dann die nächsten Werbeflächen definiert wurden. Wohl zuerst im Oberrang, falls auch da voll, dann wohl in den Bereichen wo sich weniger TV Kameras hin verirren.

Man kann deswegen wohl nur sagen:
Merkt euch den Stand der Diskussion, die wird wohl zu gegebenen Zeitpunkt neu aufflammen.


Nun noch kurz zur Kommunikation, da auch darüber heftig diskutiert wurde. Kommunikation ist immer dann gut, wenn Sie für beide Seiten funktioniert, den Sender und den Empfänger. Vor endlos langer Zeit hatte ich bei einer meiner Ausbildungen mal monatelang "Kommunikation" als Teilgebiet des schulischen Ausbildungsteils. Ein ziemlich dröges Thema, auch wenn der Lehrer das damals wohl anders sah. Sein Lieblingsbeispiel war dabei ein Autofahrer, der an der Ampel steht und vor sich hin träumt. Plötzlich ruft sein Beifahrer "GRÜN". Er fährt los und direkt in ein anderes Auto. Denn dummerweise meinte der Beifahrer nicht die Ampel, sondern redete über seine politische Einstellung. Der Kommunikationsweg bei den Bannern passt da ziemlich dazu. Denn in dem Fall war wohl RB Leipzig der Beifahrer und zur Kenntnis genommen wurde in dem Fall "Eure Banner müssen weg". Hätte man sicher schöner machen können, auch wenn man jetzt ja durchaus Aufwand treibt, die Wogen zu glätten und wie es scheint dies auch die nächsten Wochen noch weiter versuchen wird.

Nicht besser macht es meiner Meinung nach die Tatsache, dass gerade gegenüber der Presse seit einiger Zeit ein sehr, nennen wir es einmal "wirtschaftlich-hipper" Kommunikationsstil gebraucht wird, der so gar nicht zum recht emotionalen Fußball passen will. Wenn ich jedes Mal, wenn ich über Wortkombinationen wie "Sales-Ausrichtung" gestolpert wäre einen Schnaps getrunken hätte, wäre ich wohl schon einige Male nur knapp an der Alkoholvergiftung vorbeigeschrammt.

Mag alles irgendwo modern sein. Kommt in den richtigen Kreisen sicherlich auch gut an. Mein Fall ist es aber nicht.

Blogpause

Samstag, 24. September 2016

Aus privaten Gründen pausiert dieser Blog vorerst.